Igellust – Igelfrust


Die im September und dann noch im Oktober und November gefundenen Igelkinder sind meistens untergewichtig und erreichen selten ohne menschliche Hilfe ihr benötigtes Überwinterungs-Kampfgewicht von mindestens 500-700 gr. Kein Mensch weiß, warum diese putzigen Säuger teilweise so spät auf die Welt kommen müssen. Viele Igelkinder verlieren daher leider auch in den ersten Lebensmonaten durch einen plötzlichen Wintereinbruch ihr Leben.


Wenn die Finder bei uns anrufen und erzählen: „Wir haben da beim Spaziergang (oder im Garten) einen kleinen Igel gefunden, lautet in der Regel die erste Frage: haben Sie nachgeschaut, ob die Mutter oder andere Geschwister in der Nähe sind? Was wiegt er etwa?“.

Wenn das alles geklärt ist (keine Mutter oder Geschwister sichtbar und deutlich unter 500 gr. – hier kommt es auch auf das Wetter und den Fundzeitpunkt an – dann nehmen wir das Kerlchen auf.


Für die Igelkinder, die die nächsten Tage noch mindestens ein Gewicht von 500-600 gr erreichen, haben wir bei tierlieben Gartenbesitzern Überwinterungsunterkünfte. Wir nennen das immer „betreutes Wohnen“. Die Kerlchen werden in einem mit Hasendraht abgesteckten „Igelgelände“ von ca. 2-3 qm untergebracht. Dort stehen Igelhäuschen, es liegt ein Laubhaufen dabei und die Kleinen räumen sich ihre Häuschen so ein, wie sie es möchten. Wir Menschen machen es meistens falsch! Und dann muß umgeräumt werden!

Dort werden sie noch fleissig weitergefüttert und fallen dann, wenn es ordentlich kalt wird, in den wohlverdienten und auch nötigen Winterschlaf. Im Frühjahr nach dem Aufwachen wird zugefüttert und irgendwann werden unsere Igelchen, die dann bisweilen Gewichte um die 800-1000 gr aufweisen, wieder ausgewildert. Möglichst dort, wo sie gefunden worden sind. Denn Igel haben ein gutes Gedächtnis!


Für jedes Tier wird eine Karteikarte geführt, auf der vermerkt wird, wo sie gefunden wurden, wann und wie sie in der Aufpäppelphase entwurmt und entfloht wurden und wie sich ihr Gewicht ändert. Es ist zwar eine ziemlich aufwändige Angelegenheit, bringt aber auch nach über 20 Jahren Igelschutz noch viel Freude.


Noch ein paar Worte zum Futter: am liebsten mögen sie Katzenfutter, sowohl Naß- als auch Trockenfutter. Das im Handel angebotene Igelfutter verschmähen sie meistens. Tiere, die so absolut gar nichts fressen wollen, sollte man mit Rührei (ohne Fett, einfach in der Pfanne anrühren) locken. Das mögen die meisten Stachler. Zum „Überlisten“ legt man das Rührei dann einfach auf das Katzen-Naßfutter und meistens klappt es dann auch mit dem Fressen. Weil Igel kleine Stachelschweine sind und meistens durch Futternäpfe und auch Wassernäpfe marschieren, spart man sich den Wassernapf und gibt etwas zusätzliches Wasser ins Nassfutter. Nur bei Trockenfutter, während der Winterschlafphase gegeben, stellt man Wasser dazu.


Weil wir gerade in der letzten Zeit Igel aufgenommen haben, die durch Stürze innere Verletzungen hatten, beherzigen Sie bitte folgendes:

Kellerschächte, Lichtschächte, alle Vertiefungen, in die Igel fallen und aus denen sie sich nicht mehr befreien können, gut abdecken. Sollte eine Abdeckung nicht möglich sein, diese Stellen bitte täglich kontrollieren.


Jetzt im Herbst rüsten sich die Igel für den Winterschlaf. In den ersten Frosttagen wandern viele Igel noch im Freien umher. Oft sorgen sich Tierfreunde um die scheinbar hilflosen Tiere. Der Tierschutzverein Schwetzingen warnt jedoch vor gut gemeinter, aber falsch verstandener Igelhilfe. Nur in Ausnahmefällen sind die stacheligen Tiere auf menschliche Hilfe angewiesen. Tierfreunde sollten sich zunächst beim Tierarzt oder dem örtlichen Tierschutzverein informieren, bevor ein Igel möglicherweise vorschnell in Pflege genommen wird. Am besten unterstützt man die Igel mit naturnah gestalteten, gut zugänglichen Gärten, die Nahrung und einen Unterschlupf bieten: also Gärten mit Buschwerk und Hecken, in denen das Herbstlaub schon mal liegen bleiben darf.

Trifft man in den Herbsttagen einen Igel an, sollte man ihn zunächst nur aus sicherer Entfernung beobachten. Nicht immer braucht ein solches Tier Hilfe. Nur stark untergewichtige, verletzte oder kranke Igel sind wirklich hilfsbedürftig. Kranke oder verletzte Igel erkennt man beispielweise daran, dass sie am Tag herumliegen, mager sind und sich apathisch verhalten. Auch Tiere, die noch bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen, sind meist krank oder geschwächt.


Igelfreundlicher Garten

Wer als Gartenbesitzer mehr für die Igel tun will, kann das im Herbst anfallende Laub in den Anlagen und auf den Beeten liegen lassen. Dieser „natürliche“ Mantel dient vielen Insekten als Winterquartier. Ein igelgerechter Garten hat darüber hinaus Durchgänge zu anderen Gärten, denn Igel durchstreifen auf ihrer Nahrungssuche große Gebiete. Gartengeräte sollten nur vorsichtig eingesetzt werden. Vor allem die in den letzten Jahren immer beliebter gewordenen Laubsauger und –bläser können eine Gefahr für Igel darstellen. Kleinere Igel können eingesaugt oder getötet werden. Außerdem entfernen die Geräte nicht nur Laub, sondern auch Insekten, Würmer und Weichtiere, die dem Igel als Nahrung dienen. Rechen sind demgegenüber die igelfreundlichere Alternativen. So finden die Stachelritter genug Nahrung und können im Laub ein geschütztes warmes Nest anlegen und so den Winter ganz einfach verschlafen.